"Ei er dir" und andere Spracheigentümlichkeiten.

 
    Wie das Land, so ist auch unsere ost- und westpreußische Sprache breit und herb. Sie klingt schwerfällig und ist mit ihrem singenden Tonfall doch so gemütlich, wie ein warmer Kachelofen im Winter. Zwar  abwartend und etwas umständlich in der Formulierung, denn es ist nun mal nicht unsere Art, viele große Worte zu machen, und mit Hab und Gut zu protzen. Aber sie kann so schön mit Worten malen, und sie ist gewürzt mit vielen, vielen Sonderausdrücken, die nicht leicht oder nur annähernd zu übersetzen sind. Die Mutter hat uns das alles als Kinder gelehrt und diese Sprache mit all ihren Eigentümlichkeiten wird immer die Melodie unserer Heimat bleiben, wo wir auch hingehen. Zur Erinnerung und für diejenigen die nicht das Glück hatten in Ost,- Westpreußen oder Danzig  gelebt zu haben sind dieser homepage ein paar Seiten Wörter der täglichen Umgangssprache angehängt. Natürlich kann diese Auflistung nicht vollständig sein, denn für die einzelnen Landschaften gab es noch ganz spezielle Ausdrücke, die nur dort gesprochen wurden. Für Danzig, meiner Heimatstadt, werde ich von Ausdrücke die wir als Kinder hörten und gebrauchten, ein paar extra Seiten zusammenstellen und dann anhängen. 
    Ganz besonders fällt einem Fremden der häufige Gebrauch des voran gestellten Wörtchen > „Ei“< in der Frage auf. 
    Statt „Wie geht’s zu Hause?“ fragen wir:>„ Ei, wie jeht’s zu Haus?“ oder >„Ei was macht das Omchen“?<  >„ Ei, was nu?“< Die Fischfrauen am Fischmarkt: >„Ei,frische Flunderchen  Madamche,-  ei, Pomuchel?“ und auf dem Markt: >„Ei, wie is mit e Maßche Blaubeerche? Ei, scheene frische Pilzche? Freileinche“ 
    Es ist ein Füllwort wie auch das >„I“< in: „I, wo werd ich,“ 
    „I, nich doch.“ > I wo< bedeutet soviel wie „aber nein“. 
    Wie z.B. in “Wo werd ich Streit anfangen.“ 
    (Wenn der Andere so dammlich ist!) 
 
    Dann ist da noch das Ureigentum unserer Sprache  zu erwähnen,---“Äerbarmung“--. Zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten sprudelt es mit scharfen Zungen >rr< ganz breit heraus, und harmlos als  Satzfüllung hörte man oft auch>„ Äerbarmsterchen.“< Äerbarmung wird immer und überall die Herkunft des  alten Ostpreußen  verraten, wie das >„Du’chen“< den Danziger. 
    Das > che,- chen,< wiederum ist die Verkleinerungs- und Zärtlichkeitsform von Namen und Dingen, die wie mögen.- 
    > Haus’che, Herr Dokter’che, Herr Ober’che, Herr Schaffner’che, das liebe Gott’che. Kinder werden „Karl’che, Heinz’che, Fritz’che gerufen. Hört der kleine Gnoss mal die Mutter „Fritz“ rufen, denn weiß er, es ist dicke Luft zu Hause und er peest los. Aber wir sagen auch: „Was’che, na’che, komman’che.“< 
    Das schönste „ch“ ist aber  das „du’che“. 
    Die ganze Seele des ostdeutschen Menschen steckt in diesen 5 Buchstaben! Keine schönere Vertrautheit auf der Welt, als wenn ein Marjellche zu seinem Liebsten  „Du’che“ sagt! Es ist wie zärtliches streicheln des geliebten Menschen und seiner Seele . 
    Zu diesen Spracheigenschaften kommt dann noch  der ost,- und westpreußische Humor. Er ist geradeheraus, ohne jeden Hintergedanken. Zuweilen von saftiger Derbheit trifft er meistens den Nagel auf dem Kopf. Dieser Humor ist ein stiller, nicht verletzender, und nicht auf Effekt oder Applaus aus, wie der Witz. Er wurzelt mit seiner Heimatsprache tief in der Volksseele und offenbart ein reiches Maß an Lebensweisheiten. 

    Ein paar Proben aus den alten preußischen Gebieten im Osten werden hier in zwangloser Folge erscheinen.Die folgenden Wörter wurden sowohl in Danzig, wie auch in Ost und Westpreussen z.T. mit leichten örtlichen Abweichungen überwiegend als Umgangssprache benutzt.